Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg – #infopro13

Im Studium der Information und Dokumentation lernten wir ein Semester lang, nach Förderprogrammen zu recherchieren und Do’s und Dont’s bei der Beantragung von Fördermitteln. Inzwischen wurden nahezu alle Förderprogramme für Fachinformation und Informationsvermittlung eingestellt. Die Informationsgesellschaft ist kein hehres Ziel mehr, sie ist Realität.

Braucht man im Zeitalter von Google noch Recherchedienste und Informationsvermittler? Und wie können diese ohne öffentliche Hilfe überleben?

Trotz des kämpferischen Titels „Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg“ standen diese Fragen bei der Veranstaltung im Rahmen der Buchmesse 1 unübersehbar im Raum. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Frankfurter Buchmesse und dem „Arbeitskreis Informationsvermittlung“.

Ich habe einigen Vorträgen der vierstündigen Veranstaltung gelauscht.

Google Als Partner: Jens Redmer, Google Deutschland

Der erste Keynote-Speaker vertrat den Angstgegner: Jens Redmer, Director Business Development von Google Deutschland.

Redmer erläuterte die als „Hummingbird“ immer bekannter werdenden Algorithmenänderungen. Google würde nun natürlichsprachliche Fragen beantworten. Anders als bisher würde die Suchmaschine nicht nur Ergebnisse liefern in denen die Suchphrase enthalten ist (z.B. als Überschrift „Was ist ein Information Broker“), sondern die Bedeutung der Begriffe, die Semantik, verstehen.

Jens Redmer beschrieb Wege, um Google-Tools zur Informationsvisualisierung zu nutzen. Neben Google Trends ging er auf den Google Public Data Explorer2 und Trendalycer3 ein.


Für Nicht-Information-Professionals: Das Aufsplitten von Dokumenten und Suchanfragen in gewichtete Vektoren, die Suche nach Phrasen zur Analyse von Begriffszusammenhängen und deren graphische Darstellung (Knowledge Graph) gab es schon lange vor Google. Das Vektorisieren von Dokumenten und Suchanfragen war sogar Bestandteil der Prüfung im Fach Informationsmethodik.

Im Gegensatz zu den damaligen Forschungseinrichtungen hat Google die Mittel, um aus Modellprojekten, die mit einem begrenzten Dokumentenbestand arbeiten, stabile und performante Produkte zu machen.


Informationsspezialisten und insbesondere Analysten müssen sich nicht sorgen, erklärte Redmer, denn:

Math-Men ist heute ein sexy Job.

Employability und T-shaped skills: Gunther Dueck

Gunther Dueck bei der Veranstaltung "Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg"

Gunther Dueck bei der Veranstaltung „Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg“

In gewohnt treuherziger Manier schilderte der zweite Keynote-Speaker seine Erfahrungen als Selbstgoogler. Im Jahr 1999 beobachtete Gunther Dueck den Begriffs Enterprise Application Integration (EAI). Aus 19 Hits im April erwuchsen 3000 im Oktober. Leider wurde Google von IBM als Marktbeobachtungstool unterschätzt und das Unternehmen verpasste seine Chance als First Mover im EAI-Markt.

Informationsspezialisten gab er den Rat, employability4 zu beweisen und sich Metaskills 5 oder T-shaped skills6 anzuschaffen.

Um nicht von Robotern ersetzt zu werden sollen sich Information Professionals also auf einen stetigen Wechsel der Beschäftigungsform einstellen und sich im interdisziplinärem Denken üben, denn…

Normalexperten braucht man nicht mehr. Die können sich entweder nach oben retten oder müssen sich nach unten ergeben.

Information Professionals als Consultants: Dr. Sabine Graumann von TNS Infratest

Sabine Graumann von TNS Infratest

Sabine Graumann von TNS Infratest

Auf Gunther Duecks eher abstrakte Forderung folgte ein praktisches Beispiel in Form von Dr. Sabine Graumanns Vortrag. Um sich abzuheben, liefert ihr Arbeitgeber TNS Infratest7 nicht nur Informationen, sondern komplette Handlungsanweisungen. Somit konkurriert TNS Infratest nicht mehr mit Google, sondern mit Consulting-Unternehmen.

Neben der klassischen Informationsrecherche erschließen die Mitarbeiter durch qualitative und quantitative Forschung neues Wissen 8

Jammern hilft nicht: Michael Klems

Michael Klems plaudert aus dem Nähkästchen

Michael Klems plaudert aus dem Nähkästchen

Michael Klems ist selbständiger Informationsvermittler und Besitzer der Domain „infobroker.de“. Diese nutzt er in bewundernswerter Weise. Jede Dienstleistung, sei es Markenrecherche, Recherche nach Bilanzdaten oder Firmenauskünfte, wird zum Festpreis angeboten. Dieses niederschwellige Angebot ist ein erfolgreiches Marketinginstrument: aus den Festpreisrecherchen entstehen immer wieder individuelle Aufträge.

Klems ist um Marketingideen nicht verlegen. Informative Blogbeiträge locken potentielle Kunden. Aus den Besten macht er Podcasts für vielbeschäftigte Wenigleser. Zukünftige Kunden bindet er mit Direktlinks zur schwer auffindbaren Recherchemasken, Hilfstexten, Videos und kuratierten Listen.

Er rät den Information Professionals, nicht zu jammern, sondern es ihm gleichzutun und Zeit in Profilierung und SEO zu investieren.

Professionelle Informationsvermittlung betrachtet Michael Klems als Burnout-Prävention: Sie entlastet den Kunden.

Nach diesem Vortrag habe ich mich auf die Suche nach potentiellen Interviewpartnern für SlowLifeLab.de gemacht, auch um meinen T-shape auszubauen.

Der Vortrag von Tim Brouwer, CEO von SVP9 zum Thema „Radikaler Wandel der Qualifikationsanforderungen an Information Professionals.“ und die anschließende Podiumsdiskussion zum Thema „Informationsvermittlung 2020“ waren bestimmt aufschlussreich.

Audio-Mitschnitte und Zusatzinfos zur Veranstaltung sind auf infobroker.de zu finden.

  1. Am 08.10.2013 fand im Rahmen der Frankfurter Buchmesse die Veranstaltung „Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg“ statt (Link abgerufen am 07.11.2013).
  2. Link zum Google Public Data Explorer.
  3. Mehr über Trendalycer bei Wikipedia.
  4. Zu Deutsch „Beschäftigungsfähigkeit“. Mehr über Beschäftigungsfähigkeit bei Wikipedia.
  5. Das gleichnamige Buch von Autor Marty Neumeier beschreibt Denkansätze, um sich als angesichts der Globalisierung als Arbeitnehmer unersetzlich zu machen. Im englischsprachigen Printmag findet sich ein interessantes Interview mit dem Autor.
  6. Wikipedia über T-shaped skills.
  7. Link zu TNS-Infratest.
  8. Zur qualitativen Forschung zählen z.B. Experteninterviews, Workshops und Gruppendiskussionen, quantitative Forschung sind z.B. repräsentative Meinungsumfragen.
  9. Website von SVP: svp.de.

Veröffentlicht von

Alice Scheerer ist Diplom Informationswirtin und freie Online-Redakteurin. Auf AliceScheerer.de bietet sie einen Blick hinter ihre fachlichen Kulissen und berichtet von Weiterbildungen, Konferenzen und präsentiert Beispieltexte. Gefallen gefunden? Mehr über ihre Dienstleistungen auf der Startseite. Beispiele für Texte rund um das Wiederverwenden bewährter Produkte, Techniken und Traditionen finden Sie auf SlowLifeLab.de.

3 Kommentare

    • Lieber Michael Klems,

      vielen Dank für das freundliche Angebot.

      Zumindest so lange mein Hoster mit Ladezeitproblemen kämpft,
      werde ich vom Einbetten längerer Videos absehen. Der Link am Ende des Artikels führt bereits zu Ihrer ausführlichen Veranstaltungsrückschau.

      Herzlichst,

      Alice Scheerer

  1. Pingback: Fishbowl Social Reading auf der Buchmesse Frankfurt 2013 - - Alice Scheerer

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