Yippieya #sck13! Eindrücke vom stART camp Köln 2013

Am Freitag den 13.09.2013 war ich zum zweiten Mal auf einem stART camp in Köln. Das stART-Universum mit seinen Fixsternen Frank Tentler, Wibke Ladwig, Ute Vogel, Anke von Heyl und vielen anderen vertrauten Gesichtern kenne ich seit dem Besuch der stART-Conference in Duisburg.

Dorthin kam ich über eine kleine Twitternachricht von Alexander von Halem. Durch ein Second-Hand-Ticket lernte ich Dorothea Martin kennen. Inzwischen habe ich beiden im Rahmen der Aktion SlowLife-Interview dubiose Fragen rund um die Themen SlowLife, Bewahren und Entschleunigen gestellt.

Köln begrüßte mich grau in grau:

Der Kölner Domplatz am 13.09.2013 um halb Acht.

Der Kölner Domplatz am 13.09.2013 um halb acht.

Aber die Herbergsmütter begrüßten mich und alle anderen Gäste in gewohnter Herzlichkeit.

Jippie !!! Ein dynamischer Start in den Tag

Jippie !!! Ein dynamischer Start in den Tag

Jeder Teilnehmer musste sich in der Begrüßungsrunde mit drei Hashtags vorstellen. Eine Auswahl hatte ich schon im Zug notiert, verworfen, umgestellt, rekombiniert … und kurz vor bevor mich das Mikrophon erreichte, sinnvoll geordnet.

Meine Hashtags: Tradition, Recherche, Laboratorium

Meine Hashtags: #Tradition, #Recherche, #Laboratorium

Architekturgeschichtliches auf dem #sck13

Anke von Heyl flocht einige Angaben zum Architekten der Karl Rahner Akademie in ihre Begrüßungsrede ein. Karl Band war ein Vertreter der Kölner Schule und an vielen kirchlichen Bauprojekten beteiligt. Er war von 1929 bis ins Jahr 1971 als Architekt tätig1. Ich kann noch mit großer Freude hinzufügen, dass Karl Band mit dem Erfinder des Bandoneóns verwandt war. Heinrich Band war Musikalienhändler in Krefeld 2.
Der Namensgeber des Gebäudes, Karl Rahner, war Katholischer Theologe und Dozent. Er setzte sich für den Dialog zwischen evangelischer und katholischer Kirche ein und war an der Planung des Zweiten vatikanischen Konzils beteiligt 3.

Die Fenstermosaiken in der Karl Rahner Akademie

Die Fenstermosaiken in der Karl Rahner Akademie

Die Glasfenster im „Schwan-Saal“ (Bezeichnung während des #sck13, benannt nach Guido Schwan) wurden von Tony Wichterich entworfen und von Ferdi Strausfeld umgesetzt. Die Firma Strausfeld-Glas und Fenster gibt es noch heute.

Welche Workshops & Vorträge finden diesmal auf dem stART camp statt?

Die Abstimmung beginnt. Für BarCamp-Unerfahrene: Anders als bei einer Konferenz, wird erst zu Beginn des BarCamps abgestimmt, welche Vorträge und Workshops überhaupt stattfinden. Sind zu wenige Interessenten für einen Vortrag anwesend, so bleibt der potentielle Referent einfacher Teilnehmer.

Herbergsmutter Ute Vogel am leeren Sessionplan

Herbergsmutter Ute Vogel am leeren Sessionplan

Johannes Mirus: Kundenbefragung

Als erstes besuche ich den Vortrag von Johannes Mirus zum Thema Kundenbefragung.

Vorher nachdenken macht es günstiger. Johannes Mirus

Der Marktforschungsexperte Johannes Mirus erklärte den Unterschied zwischen quantitativer und qualitativer Befragung und empfahl günstige Tools zur Befragung und Auswertung der Ergebnisse. Von Facebook als Umfragetool riet er ab. Es eigne sich nur, wenn man explizit etwas über Facebook wissen wolle (Vorlieben der Fans etc.). Paneldienste eigneten sich um Kandidaten für eine repräsentative Umfrage auszuwählen. Jede Kandidatengruppe muss dabei mit mindestens 60 Personen vertreten sein, sonst wird die Befragung als tendenziös angesehen.
So manches kam mir bekannt vor, schließlich war Befragung und Auswertung Thema so mancher Vorlesung. Aber es tat gut, dies wieder aufzufrischen.
Wie Johannes Mirus den Vortrag selbst erlebt hat, kann hier nachgelesen werden.

Martin Butz: Man kann nicht nicht zitieren

Danach wanderte ich vom Raum „Yippieya“ zum „Prunk“-Saal, um Martin Butz zu lauschen. Bei der Recherche nach Geschichten und Traditionen für mein Blog SlowLifeLab.de frage ich mich oft, ob ich nicht zu viel zitiere. Ein Vortrag mit dem Titel „Man kann nicht nicht zitieren“ zog mich daher an. Ich bereute es nicht und verwendete (ganz im Sinne des Vortrags) einige Aussagen in einem Blogpost weiter.

Martin Butz berichtete von der Recherche und Konzeption des Radiofeatures „Man kann nicht nicht zitieren. Ein Sammelsurium“ 4. In der heutigen Zeit ist es laut Butz nahezu unmöglich, etwas aus dem Nichts heraus zu erschaffen.

Daher ist ein zeitgemäßes Verständnis von Kreativität das Zusammenspiel von

  • Kopieren
  • Modifizieren
  • Kombinieren

Bereits der Titel ist ein modifiziertes Zitat, es hat seinen Ursprung bei Paul Watzlawick.

Da die Zitate im Radiofeature nicht zur Erläuterung verwendet werden, sondern für sich alleine stehen, gilt die Kleinzitate rechtliche Regelung für Kleinzitate 5 hier nicht. Martin Butz begann zunächst, bei Verlagen um Erlaubnis zur bitten. Seine eMails wanderten hin und her zwischen Verantwortlichen, rund um den Globus. Er versuchte, bei allen achtzig Urhebern anzufragen, ob er das gewünschte Zitat verwenden darf. Letztendlich wandte er sich an die VG-Wort, die diese langwierige Aufgabe für ihn übernahm.

Es ist quasi unmöglich, die Rechte von allen Zitaten zu klären.Martin Butz

Die rund um die Anfragen gesammelte Kommunikation biete Stoff für ein weiteres Feature, so Butz.

Bloggerbrunch.de: Social-Media-Maler

Nun wurde es Zeit für Spiel, Spaß und Spannung: Ich nahm an der Session „Social-Media-Maler“ teil. Nach dem Prinzip der Montagsmaler („Hund, Katze, Maus“) sollten Begriffe aus der Begriffswelt des Social-Media bildlich dargestellt werden. Während der erste Begriff, „Tag Cloud“ relativ einfach darzustellen war, schließlich hatte ich ihn in verschiedenen Abwandlungen schon als Cover der t3n gesehen, waren es die einfachen Begriffe wie „Freund“, die die meisten Schwierigkeiten bereiteten.

Frau Scheerer versucht den Begriff 'Freund' bildlich darzustellen

Frau Scheerer versucht den Begriff ‚Freund‘ bildlich darzustellen. © Thorsten Schiller schillermedien

Diese Session verzichtete komplett auf die Nutzung moderner Medien wie iPad und Beamer. Ein simpler Overhead-Projektor reichte aus.

Social-Media-Maler: Trophäe und Kampfspuren

Social-Media-Maler: Trophäe und Kampfspuren

Stefan Evertz: Social-Media-Monitoring für Kulturbetriebe

Stefan Evertz, auf Twitter bekannt als @hirnrinde, brachte die Zuhörer auf den neusten Stand in Sachen SocialMedia-Monitoring Kulturbetriebe.

Facebook ist keine Strategie.Stefan Evertz

Vor dem Monitoring, und genau genommen vor dem Aufsetzen von Facebook-Pages, Twitter-Accounts usw. sollte jede Kultureinrichtung wissen, welche Ziele sie mit Social Media erreichen möchte, so Evertz. Sollen mehr Kunden kommen, die bestehenden an den Betrieb gebunden werden oder soll wird ein Imagewechsel angestrebt?

Corporate Blogs sind auf Dauer wichtiger als Facebook und Co.Stefan Everts

Ebenso wichtig sei es, sich Gedanken zu machen, wo die Kunden abgeholt werden können? Interessenten über 35 nutzten eMails, während Jüngere bisweilen gar keine Mailadesse mehr haben.

Social-Media-Monitoring erstreckt sich von der Recherche, auf welchen Plattformen über das Thema des Betriebs gesprochen wird, über die Marktbeobachtung hin zur Standortbestimmung. Stefan Evertz bevorzugt dafür kostenpflichtige Tools, da diese seinen Angaben zu Folge eine größere Menge historischer Daten anbieten.

Wie Johannes Mirus rät auch Stefan Evertz zur qualitativen Analyse. Durch die quantitative Messbarkeit der Online-Pressearbeit entstünde eine problematische „Macht der Zahlen“, die großen Druck auf die Verantwortlichen ausübe. Auch an Öffentlichkeitsarbeit via Social-Media sollten realistische Erwartungen gestellt werden.

Die Folien der Session von Stefan Evertz sind auf Cortex digital zu finden.

Jochen Reinhard: Bar Camp. Welche Geschichten stecken hinter Cocktails?

Impressionen vom Cocktail-Workshop Jochen Reinhard

Impressionen vom Cocktail-Workshop mit Jochen Reinhard

Als letzten Workshop hatte ich „Bar Camp. Welche Geschichten stecken hinter Cocktails“ ausgewählt. Weniger, weil ich trinken, sondern weil ich Geschichtliches hören wollte.

Jochen Reinhard vom Blog Vivaculinaria versteht von beidem etwas. Allein hinter dem Begriff „Bar“ steckt schon eine Geschichte. Er hat seinen Ursprung im altfranzösischen „barre“, das ursprünglich Querstange und später auch Grenze bedeutete. Der Zutritt in eine Bar ist begrenzt und ebenso gelangt nur wenig, was in der Bar passiert nach draußen6.

What happens in the bar, stays in the bar.

Die (äußerste lange) Trauerzeit von Queen Victoria sollte auch vom Volk alkoholfrei begangen werden. Man behalf sich mit dem „Black Velvet“, einer Mischung aus Guinness (black) und Champagner (nur das Beste für den König). Eine wahrhaft traurige Angelegenheit7.

Wir lernten, dass „Lime Juice“ (gesüßt) nicht mit Limettensaft (ungesüßt) gleichzusetzen ist und wie sich ein Boston Chaker von einem Cobbler Shaker unterscheidet8.

Richtig lokal wurde es beim Mixen des Gimlet. Der Sünner Dry Gin wird direkt in Köln gebrannt, von der ältesten Brauerei mit Branntwein-Lizenz9.

Jochen Reinhard verwendet übrigens nur funktionale Dekoration, also Dekoration, die nicht nur nett aussieht, sondern auch einen zum Cocktail passenden Geruch oder eine gewisse Würze verbreitet. Sein nächster „Litararischer Cocktailabend“ findet am 29.11.2013 in der Kaffebar in Deutz statt.

Die Session aus Sicht von Jochen Reinhard.
Das Cocktail Rezept für den #sck13 Cocktail.

Kunst und Social-Singing

Dann ging es zur Abschlussveranstaltung, einer Lesung von Sam Greb, dem stumme Autor und seinem lesenden Gefährten. Gelesen wurde eine Mischung aus Fahrenheit 451 und Löwenzahn.

Achtung Kunst! Lesung von Sam Greb

Achtung Kunst! Lesung von Sam Greb und seinem Gefährten

Es folgte das obligatorische Social-Singing, diesmal mit leichterem Text und lustigem Fähnchenschwenken. Ein gelungener Abschluss eines rundum gelungenen Tages.

Social Singing (c) Oliver Schwarz

Social Singing (c) Foto: Oliver Schwarz

Vor der Heimfahrt begegnete mir noch noch ein thrilling element in Form eines verlassenen Koffers.

Plötzlich wurde es ruhig und die Passanten starrten auf einen Punkt rechts hinter meinem Rücken ....

Plötzlich wurde es ruhig und die Passanten starrten auf einen Punkt rechts hinter meinem Rücken ….

Mehr über das stART-Camp Köln 2013 aus verschiedenen Blickwinkeln ist auf der Dokumentationsseite des stART camp Köln 2013 zu finden.

  1. Mehr über Karl Band bei Wikipedia.
  2. Mehr über Heinrich Band bei Wikipedia
  3. Auch über Karl Rahner wird bei Wikipedia ausführlich berichtet.
  4. Das Radiofeature wurde am 13.09.2013 im Deutschlandfunk zum ersten Mal gesendet. Am 19.09.2013 wurde es hier noch erläutert.
  5. vgl. Wikipedia über Zitate.
  6. Wikipedia über den Begriff Bar.
  7. Der Black Velvet, ein Guinness-Mixgetränk
  8. Auch Wikpedia kennt den Lime-Juice als gesüßten Sirup.
  9. Mehr über den Sünner-Dry-Gin auf der Website der Sünner Brauerei.

Veröffentlicht von

Alice Scheerer ist Diplom Informationswirtin und freie Online-Redakteurin. Auf AliceScheerer.de bietet sie einen Blick hinter ihre fachlichen Kulissen und berichtet von Weiterbildungen, Konferenzen und präsentiert Beispieltexte. Gefallen gefunden? Mehr über ihre Dienstleistungen auf der Startseite. Beispiele für Texte rund um das Wiederverwenden bewährter Produkte, Techniken und Traditionen finden Sie auf SlowLifeLab.de.

6 Kommentare

  1. Was für eine wunderbare Zusammenfassung! Und noch noch Nettigkeiten dazu recherchierte! Mir gefällt ja besonder gut der Hinweis zu dem Erfinder des Bandoneóns Heinrich Band aus meiner Heimatstadt Krefeld – da schließen sich wieder Kreise ;)

    • Liebe Ute,
      es freut mich, dass Dir der der Artikel gefallen hat.
      Für mich schließt sich mit Krefeld auch ein Kreis, ein Teil meiner Familie wohnt dort :)
      Liebe Grüße,
      Alice

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