Blogparade Arbeitsplatz der Zukunft: Produktiv sein statt Mimikry

Ganz klar: Hier herrscht der Fortschritt

Ganz klar: Hier herrscht der Fortschritt

Falk Hedemann, Redakteur des Upload-Magazins und Corporate-Blogger im CeBit-Blog rief zur Blogparade rund um den Arbeitsplatz der Zukunft.

Als Anhängerin der Home-Office-Idee und Noch-Besitzerin der Domain „Homeshoring.de“, fühle ich mich natürlich angesprochen.

Meine Ausstattung im Home-Office

Da es sich nicht verbergen lässt, gleich vorweg: Meine Ausstattung ist sehr konservativ.
Auf SlowLifeLab.de schreibe ich über alte Werkzeuge, alte Handwerks- und Haushaltstechniken, Oldtimer und das Wiederverwenden im Allgemeinen1. Dementsprechend wenig hippe Gadgets sind in meiner Ausstattung enthalten. Ich behalte zwar die Preise und Ausstattungsmerkmale von Tablets und Smartphones im Auge, konnte mich bisher aber immer noch zurückhalten. Eine Kolumne im T3n-Magazin zum Thema Tablets gibt meinem Bauchgefühl recht.

Zwei Kodak Zx1 Pocket-Camcorder, passende Fernbedienung und Fisheye ... und das Nokia 5800 XpressMusic.

Meine museale Mobilausstattung: Zwei Kodak Zx1 Pocket-Camcorder, passende Fernbedienung und Fisheye … und das Nokia 5800 XpressMusic.

Letztendlich werde ich so lange bei Netbook, Nokia-Phone, alten Kameras und Tower-PC bleiben, wie diese Tools für die Aufträge als Corporate Blogger und Freie Dokumentationsjournalistin ausreichen. Mal sehen, was dann gerade en vogue ist.
Mein Zukunftstipp in Sachen Ausstattung: Manchmal muss man einfach nur lange genug aussitzen, um wieder im Trend zu sein.

Homeshoring trendet nicht

Vor ein paar Jahren spielte ich mit dem Gedanken, eine Jobbörse für Heimarbeiten aufzusetzen. Dort sollten stundenweise verfügbare Akademiker-Mütter auf ihre Verfügbarkeit zugeschnittene Projekte finden. In deren Bedürfnisse kann ich mich nur zu gut hineinversetzen. Der Begriff ‚Homeshoring‘ als Alternative zum Offshoring schien mir als Produktname ideal.

Letztendlich war mir das Projekt doch etwas zu groß. Dazu kam, dass der Begriff Homeshoring, anders als erwartet, keinen Siegeszug durch die Presse antrat2.
Von da an konzentrierte ich mich auf die Vermittlung einer einzigen Mutter im Home Office. Mir selbst.

Seit 2010 habe ich ideale Bedingungen für ein Home Office. Ich lebe mit meiner Familie in einem Fachwerkhaus, dort wo andere Urlaub machen. Allerdings ist die Anwesenheit im Büro das Hauptthema in allen Bewerbungsgesprächen für angestellte Tätigkeiten. Fachlich passende Stellenangebote mit variablem Arbeitsort habe ich noch noch nie gesehen. Darum arbeite ich freiberuflich.

Mein Schreibtisch 2014

Altes wird konsequent wiederverwendet: Mein Schreibtisch 2014

Unproduktive Zeiten produktiv nutzen

Ich habe eine unangenehme Angewohnheit: Ich verbeiße mich in Aufgaben und Probleme. Abhilfe schafft ein kleiner Ortswechsel, etwas Bewegung und Abwechslung.

Früher, als Web-Developer im Großraumbüro, habe ich Praktikanten oft beneidet. Für sie mag es nervig gewesen sein, regelmäßig zu primitiven Arbeiten wie Regale aufbauen oder Blumen kaufen herangezogen zu werden. Ich hätte zur Abwechslung gerne ein paar einfache, körperliche Arbeiten erledigt, um Abstand zu Programmierproblemen zu bekommen. Als Fachkraft saß ich stattdessen bewegungslos und fluchend vor dem Rechner.

Fachkräfte, die nicht als Faulenzer gelten wollten, hatten dort folgende Alternativen:

  1. Rauchen. Da man heute in den wenigsten Büros rauchen darf, hat man automatisch Bewegungspausen. Leider habe ich vor Jahren aufgehört.
  2. Getränk holen. Wird nach der sechsten Tasse Kaffee und dem dritten Liter Wasser körperlich unangenehm. Außerdem lauern in der Küche endlose Gespräche über Kinderkrankheiten, Gadgets oder Autos.
  3. Hackern bzw. Tischfußball spielen. Zweifelsohne entspannend. Allerdings bin ich dabei so gefordert, dass ich nicht über Programmier- oder Textprobleme nachdenken kann.

Im Home Office stehe ich in so einer Situation auf und sortiere Wäsche oder räume die Spülmaschine ein und aus. Lösungsstrategien oder ein bisher unbedachter Aspekt fallen mir meistens schon nach wenigen Schritten ein. Knoten geplatzt, ran an die nächste Aufgabe.

Arbeiten ohne Mimikry

Als Angestellte in einem Forschungsinstitut hatte ich einen Kollegen, der mir tagsüber den letzten Nerv raubte. Spätestens nach dem Mittagessen kam er in unser Büro, ums sich mindestens eine Stunden lang über Kinofilme zu unterhalten.

Abends, so gegen neun, war er sehr verträglich. Er arbeitete ruhig vor sich hin. Sein Überstundenkonto war legendär. Gerüchten zu Folge schrieb er sie gar nicht mehr auf. Sein Problem: Der Trubel im Büro lenkte ihn zu sehr ab. Also musste er die unproduktive Kernzeit irgendwie totschlagen.

Ich war oft mit ihm alleine im Büro. Man hatte mir gesagt, dass um diese Uhrzeit Karriere gemacht wird. Und dass ich unbedingt nach dem Chef gehen soll. Bis der Chef gegangen war hatte ich nicht nur zu wenig Bewegung, sondern auch riesigen Hunger. Produktiv arbeiten konnte ich so nicht. Hartnäckige Programmierprobleme habe ich gegen Mitternacht gelöst, mit dem Laptop im Bett und einer Stulle in der Hand. Natürlich ohne die Stunden aufzuschreiben.

Heute, mit Kind und Haushalt im Nacken, habe ich für Mimikry keine Zeit mehr. Ich möchte entweder produktiv arbeiten, oder mich um andere Aufgaben kümmern.

Ausblick

Home Office ist nicht nur eine Alternative für Mütter und Väter auf dem Land. Es gibt vielerlei Gründe, nicht im Büro arbeiten zu wollen oder zu können. Beispielsweise die Pflege von Angehörigen, körperliche und psychische Einschränkungen, chronische Erkrankungen …. Schwerbehinderte haben sogar einen Rechtsanspruch auf das Arbeiten im Home Office.

So lange Arbeitgeber nur im Büro verfügbare Arbeitnehmer berücksichtigen, bleiben gut ausgebildete, kreative und arbeitswillige Arbeitskräfte ungenutzt. Nicht nur Arbeitnehmer und Arbeitgeber sollten Interesse an der Bindung dieser Arbeitskräfte haben, sondern auch Städte und Gemeinden.

Im November 2014 läuft im Landkreis Cochem-Zell die Offensive Home-Office aus. Seit Mai 2013 fördert man dort die Einrichtung von Telearbeitsplätzen und bietet Beratung für Unternehmen und Arbeitnehmer. Die Motivation des Landkreises ist klar: Arbeitsplätze und Einwohner sollen gehalten werden. Die Ergebnisse der Initiative werden gespannt erwartet.

Vielleicht muss man auch dieses Problem einfach nur aussitzen.

  1. Auch über die Dokumentenablage der Marke Fortschritt habe ich bereits recherchiert.
  2. Ein dürftiger Absatz über den Begriff ‚Homeshoring‘ und seine Verwendung bei Wikipedia. Etwas besser ist die Definition bei About.com

Veröffentlicht von

Alice Scheerer ist Diplom Informationswirtin und freie Online-Redakteurin. Auf AliceScheerer.de bietet sie einen Blick hinter ihre fachlichen Kulissen und berichtet von Weiterbildungen, Konferenzen und präsentiert Beispieltexte. Gefallen gefunden? Mehr über ihre Dienstleistungen auf der Startseite. Beispiele für Texte rund um das Wiederverwenden bewährter Produkte, Techniken und Traditionen finden Sie auf SlowLifeLab.de.

2 Kommentare

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